22. Oktober 2017

strichweise diesig # 291 "Salz"

Unter dem Hashtag #IllustrierteParalipomena öffnen wir an dieser Stelle ab und an unser Poesiealbum für Sie.
Zuletzt erschienen: 

Theme nächstes Mal: "Kosmopolit"

15. Oktober 2017

strichweise diesig # 289 la gaya scienza: "The Picture of Durian Tree" (Beitrag zu Comic-Collab # 73)

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Und wieder einmal greift unsere Wissenschaftkolumne aktuelle Forschungen auf, wie zuletzt im Bereich Medizin (s. hier zur "inneren Uhr": # 287). Um das heutige Thema zu vertiefen, schauen Sie gerne bei den Kollegen von Wikipedia, CNN, Nature oder dem Deutschlandfunk vorbei

Ferner ist dies auch unser Beitrag zu Schloggers Comic-Collab # 73 (Thema: "Gestank").
Die anderen höchstwahrscheinlich wieder wohlduftenden Teilnehmer finden Sie hier:
Schlogger
Skizzenblog
Rainer Unsinn
Gobo Pictures
Onlinecomics
Dramatized Depiction
Demystifikation
Comicstipp
Catnipsflavour
Unseren Beitrag zum letzten Comic-Collab (Thema: "unlogisch") finden Sie hier: # 282.

11. Oktober 2017

strichweise diesig # 288 "Rhythmus"

Unter dem Hashtag #IllustrierteParalipomena öffnen wir an dieser Stelle ab und an unser Poesiealbum für Sie.

Zuletzt erschienen: 

Das Theme nächstes Mal, "Salz", finden Sie hier: # 291.

9. Oktober 2017

strichweise diesig # 287 "Der Morgen stirbt nie" (la gaya scienza)

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um die oben angerissen Themen zu vertiefen, empfehlen wir folgende Links zu wissenschaftlichen Aufsätzen: 
Die nächste Ausgabe unserer Wissenschaftskolumne (zur Entschlüsselung des Genoms des Stinkebaums Duran) finden Sie hier: # 289.

3. Oktober 2017

STRICHWEISE DIESIG Nr. 286 "DIE ELMAR STORY"



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"Mann-o-Meter"

Eine Woche Elmar. Das sind sieben Tage Elmar. Sieben Tage voller Beobachtungen und Einblicke. Von seiner Praktikantin

"bitter für unser Land."

24. September, Wohnzimmer
„Die Grünen? Ja, also danach hat‘s ja überhaupt nicht ausgesehen.“ So klingt die erste Stellungnahme der amtierenden Mutter der Nation, Helga Beimer, in Folge 1643 der Lindenstraße beim Blick auf Jörg Schönenborns, in allen Parteifarben emporerigierenden, Balken im Ersten. „Och – die Populisten doch so stark.“ raunzt der feiste Herr Sohnemann aus dem Hintergrund, „Das ist aber bitter für unser Land.“ Elmar Scheiße-Kleinschmidt, Bürger, Wähler und Politikbeobachter, der selbst heute und in den kommenden sieben Tagen von mir beobachtet wird, schält sich aus dem Fernsehsessel und rührt mit dem Zeigefinger durch die Luft: „Potztausend noch eins! Mal wieder dem Volk astrein aufs Maul geschaut, der Herr Geißenhofer, oder wie er heißt!“ So ungezwungen und lebensnah, oder zumindest so ähnlich, wie die Fahrgemeinschaft aus dem Thespiskarren auf der Mattscheibe, werden es an diesem Abend tausende Mitbürger in ihren Fernsehzimmern durch die vierte Wand tuscheln, verdattert und überrascht von den Hochrechnungen. Nicht so aber Elmar; ihn überrascht das Ergebnis kaum, was weniger an eigenen prophetischen Analysen liegt, als an der starken Deckungsgleichheit des Wahlergebnisses mit den letzten Umfragen.

24. September, Büdchen
Reinhard Bütikofer deutet den Wählerwillen, Gauland bläst zum Halali, Schulz crasht die gute Laune in der Elefantenrunde. Und dann auch noch die Pringles alle. Mürrisch knotet der Bürger den Gürtel seines Mantels zu. Er hofft, dass das Büdchen, zwei Straßen weiter, noch geöffnet hat. Er hofft.
"Wissen Sie es?"
Auf dem Rückweg, zwei Dosen Texas bbq im Anschlag, nimmt er kaum Notiz vom bläulichen Flimmern hinter den Scheiben der friedlichen Wohngegend. Er murmelt, weniger zu mir als zur Nacht: „25 % Nichtwähler, das kann ich nicht verstehen. Die, die sich von der Politik abgewandt haben, die Verweigerer, die Desinteressierten,… stellen jetzt schon zwölf Jahre den Regierungschef. Ein besseres Angebot kann man ihnen doch kaum machen.“ Jetzt blickt er mich an: „Wie kann man die denn sonst erreichen? Was soll man ihnen noch für Zugeständnisse machen? Wissen Sie es?“ Aber da höre ich schon gar nicht mehr zu; meine Aufmerksamkeit gehört einem Paketetikett, das an einem Laternenmast klebt, kunstfertig mit grünem Filzstift getagt, wie das Streetmileu sagt. Das Licht darüber brennt. Wenigstens das.

25. September, Schlafzimmer
Der Bürger erwacht. Kissen, Laken, Digitalwecker, Harndrang sind immer noch so, wie in der Nacht zuvor. Doch das Land drum herum ist es nicht mehr. Das ist auch dem Bürger klar. „So ein Wahldebakel, Mann-o-meter!“ wird er später beim Frühstücksfernsehen sagen, „Da sind personelle Konsequenzen unausweichlich. Meine Meinung: Der Kanzlerkandidat sollte zurücktreten.“ Soviel zu Serdar Somuncu und der Partei Die Partei.

26. September, strichweise-diesig-Redaktion
Die letzten Getreuen sitzen um den Konferenztisch. Die Stimmung: so lala. Der einem spiegelverkehrten AfD-Logo nicht unähnliche Halbkreispfeil im Browsereingabefeld wird nachgerade sekündlich geklickt, um die spiegel-online-Startseite zu aktualisieren. Die Ironie des spiegelverkehrten Pfeils, geklickt von jemandem der auf spiegel verkehrt, fällt in dieser Runde keinem auf.
Gestern Morgen hat Frauke Petry mit neuer Oberweite aber alten Minenzuckungen in bester Tic-Tac-Toe-Manier die Bundespressekonferenz verlassen. Die Tränen kamen diesmal aber nicht; nicht mal auf Knopfdruck.
"Die letzten Getreuen"
„War Frauke Petry die Gemäßigte in der AfD und keiner hat’s gemerkt?“ Fragt einer aus der Runde, um dann hinterher zu schieben: „Die letztens noch den Begriff ‚völkisch‘ wieder positiv besetzen wollte?“ Wieder positiv besetzen wollen die ja viel, beispielsweise auch Wehrmachtssoldaten. Was denn als nächstes komme, wird diskutiert, solle demnächst auch wieder ‚Lebensraum im Osten‘ positiv besetzt werden. „Wenn schon nicht metaphorisch, dann aber wenigstens mit Invasionstruppen?“ Die Frage hängt noch einige Zeit im Raum, bevor man sich vertagt.

27. September, Imbiss
Mal wieder Currywurst Pommes mit Mayo. Wie so oft in diesen Zeiten. „Wisst ihr, was das dollste ist?“ fragt er mit dem Pommespieker über der Pappschale kreisend. Er spricht in der zweiten Person Plural. Dabei sitzen wir beiden allein hier. Natürlich beantwortet er die Frage selbst, allerdings erst nach einem tüchtigen Schluck Filterkaffee mit Büchsenmilch, den er wie Odol seine Mundhöhle durchspülen lässt: „Wenn man ein Wurststück in die Mayonnaise tunkt. Ich mein‘, dafür ist sie ja gar nicht da. Die Wurst isst man mit Currysauce und die Pommes, eigentlich nur die, isst man mit Mayo. Solch starre Regeln war’n meine Sache aber nie. Ab und zu mach‘ ich’s einfach und esse auch mal ein Stückchen Wurst mit Mayo. Wenn keiner guckt vielleicht auch mal einen Pommes mit Currysauce; das aber nicht so oft. Wisst ihr, wonach das schmeckt? Currywurst mit Mayo? Ich sag’s euch: Das schmeckt nach Freiheit!“
"schmeckt nach Freiheit!"

28. September, strichweise-diesig-Redaktion
Es klingelt an der Tür. „Nanü“ macht Elmar. Er scheint keinen Besuch zu erwarten. Er erhebt sich umständlich vom Schreibtischsessel. Bis eben redigierte er noch den neuen Beitrag für seinen Blog. Oder er tat so. Ich habe nicht so genau hingesehen, sondern war mit meinem Smartphone beschäftigt. Eine gute Sache, denke ich, diese Funktion bei Spotify-Podcasts 15 Sekunden zurückspulen zu können. Warum das – zum Teufel – nicht bei Musik oder wenigstens bei Hörspielen geht, erschließt sich mir nicht. Wir können zum Mond fliegen, aber… Ich glaube es war Jerry Seinfeld, der einmal gesagt hat, dass wir nie hätten zum Mond fliegen sollen, weil sich dadurch alle Alltagssorgen mit dieser Leistung messen lassen müssen. Vielleicht liegt’s aber auch an mir, gestehe ich mir ein, da mich Spotify bestimmt schon seit Monaten darauf hinweist, dass ich eine veraltete Version nutze. Möglicherweise wird diese Rückspulfunktion im Update auch auf andere Sounddateien erweitert. Warum auch nicht? Warum soll man nicht bei einem Musikstück 15 Sekunden mit einem Klick zurück gehen können. Das ist doch mitunter ganz praktisch, oder? Es muss ja eine bewusste Entscheidung Seitens Spotify sein, dieses Feature bei einigen Inhalten nicht anzubieten. Wer übrigens an der Tür geklingelt hat, weiß ich nicht mehr.

29. September, Badewanne
Ich frage mich, ob er mich überhaupt wahrnimmt. Ich hocke auf dem geflochtenen Deckel der Wäschetonne, ihm bewusst schamhaft abgewandt, meinen Collegeblock auf den Knien, und warte. Warte, bis ihm etwas einfällt. Warte, bis er mal wieder anhebt. Warte darauf, dass er sich mir und damit der Öffentlichkeit mitteilen will. Warte auf ihn.
Im Badezimmerradio läuft leise ndr Info. Er liegt in der Wanne und schaut verträumt, was ich lediglich annehme, da ich ihn nicht sehe, auf den vor ihm schwimmenden weißen Plastikteller. Currywurst, Pommes, Mayonnaise. Wie so oft in diesen Tagen.
„Einen Begriff, werde ich niemals in meinem Blog schreiben!“ Endlich. Ich kritzle los. Jedes Wort. „Und dieser Begriff heißt ‚GroKo‘. Wer hat sich das ausgedacht? Wahrscheinlich Oliver Welke. Und alle plappern das nach. Das ist so dümmlich, dass ich das boykottiere.“ Seit langem spricht er wieder über Politik. In letzter Zeit meine ich bemerkt zu haben, dass er sich von ihr, der Politik, entfernt hat. Heute hat er zum Beispiel das erste Mal seit Tagen wieder die faz aufgeschlagen, die ihm täglich geliefert wird. Aber nur, weil heute Freitag und dann immer das Kreuzworträtsel drin sei, wie er sagt. Nun aber endlich. Wieder ein Wort des interessierten Wählers, des mündigen Bürgers, des Welterklärers. Ich hoffe, dass er was sagt zu Andrea Nahles, die ihren Gag, nun bekäme die Union auf die Fresse, so oft wiederholt hat, dass sie ihn letzten Endes selber witzig fand. Oder über Wolfgang Kubicki, der Böcke aufs Finanzressort durchblicken lässt. Oder über Gysi und Lafontaine, die darüber zanken, wie rechts die Linke werden darf. Aber dann kommt nichts mehr. Ich höre ihn nur noch schmatzen. Aber selbst das nur noch leise.

30. September, ice nach Bottrop Süd
Ein bekennender Sitzplatzreservierer sei er, ließ er wissen, bevor er – die Mobil auf den Oberschenkeln - eingeschlafen ist. Ich kauere im Gang und besehe sein Gesicht vor der vorbeirauschenden Landschaft im Bahnfenster. Nicht einmal jetzt entspannen sich seine Züge. Die letzten Tage waren hart. Die nächsten Tage werden es höchstwahrscheinlich nicht minder. Dauernd angefragt zu werden, was man bald zu dieser bald zu jener Entwicklung zu sagen habe. Per Telefon, per Twitter, WhatsApp, auf Facebook, in den Kommentaren auf der eigenen Seite. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Gebeten um einen Kommentar zu einem Bundestagspräsidenten Schäuble, zu einem Außenminister Özdemir, zur Domain die-blauen.de oder zur Lage in Katalonien. All das dieser Tage als Influencer nicht zu erleben, das schlaucht. Das fasst einen an, wie er selbst sagt, das steckt man nicht so schnell und einfach weg wie das Genital am Pissoir, wenn sich einer neben einen stellt.
"Höma - ihr müsst jede Arbei annehmen."
Ich erschrecke, als er plötzlich wach wird, geweckt vom Vibrieren seines Telefons in der Innentasche. Er geht ran und beginnt zu sprechen. Erst flüsternd, dann immer lauter. Bald geht es um Gerhard Schröder und dessen neuen Job als Aufsichtsratschef bei Rosneft. Er selbst hat das Gespräch darauf gelenkt. Zuvor drehte es sich ausschließlich darum, ob er letztens mit einem Mietwagen zufrieden gewesen sei. „Da hat Gerd doch damals zu seiner Agendapolitik gesacht,“ er ist bemüht, selbst im Schröder-Schnodder-Slang zu sprechen, „‘Höma – ihr müsst jede Arbeit annehmen.‘ Und nu‘ geht er mit gutem Beispiel voran und nu‘ is‘ auch schlecht… Bitte?... Ja, is‘ gut. Bis denn-dann…“ Ungerührt steckt er sein Telefon zurück in sein Jackett; dann zu mir: „So gehe ich vor. Wenn mir ein guter Gag einfällt, teste ich ihn erst einmal beim einfachen Volk. Nur wenn ein Gag durch diesen Test gegangen ist, kann ich ihn vielleicht in meinem Blog bringen. Das meine ich, wenn ich von Verantwortung spreche.“ Er schließt die Augen und fügt in verschwörerischem Tonfall hinzu: „Ganz recht.“
In Bottrop war es schön; er hätte dort zu tun, sagt er.


1. Oktober, strichweise-diesig-Redaktion
"Machen Sie noch den Kopierer aus"
„Eigentlich wollte ich ja was zu Erntedank machen.“ Sagt er im heiseren Singsang, den ich über die letzten Tage dieses Projekts immer wieder beobachtet habe… man kann ja auch mit den Ohren beobachten. „Wenn einem gar nichts einfällt, guckt man halt auf den Kalender. Irgendwas ist ja immer. Warum nicht mal eine Ausgabe zum Thema Vollmond oder Mittwoch. Oder über irgendeinen Namenstag, was weiß ich, zum Beispiel den von Kurt oder Dagmar. Oder eben das Erntedankfest. Da ist bestimmt noch nicht jeder Comic zu gemalt worden, verstehen Sie?“ Er lehnt sich mit einer Gesäßhälfte auf den Schreibtisch. „Aber ganz ehrlich, Erntedank ist nichts.“ Steuert er zurück, „Vielleicht nächstes Jahr.“ „Vielleicht.“ sage ich. „Außerdem bin ich mit meiner Reportage auch am Ende; wir hatten doch ausgemacht, dass wir die eine Woche nach der Wahl bringen.“ „Jaja.“ Er tut, als würde er sich erinnern, „schon eine Woche, ja? Umso besser. Dann hau‘n Sie das ma‘ raus.“ Er zieht sich den Mantel an und will gehen. „Natürlich muss ich meine Aufzeichnungen und Fotos noch sichten und den Artikel schreiben. Ich werd’s wohl zum Feiertag fertig bekommen.“ Sage ich; er: „Feiertag?“ Ich weise ihn auf den Tag der Deutschen Einheit an diesem Dienstag hin. „Schon recht, schon recht…“ seufzt er und geht. In der Tür halte ich ihn noch kurz auf „Wie war das denn für Sie?“ will ich wissen. „Doll.“ Macht er, wieder ganz der Elmar, den ich nun gut kennengelernt habe. „Eine harte Woche für mich… und für unser Land. Aber – eigentlich auch alles halb so wild.“ Und bevor er im Treppenhaus verschwindet: „Machen Sie noch den Kopierer aus, wenn Sie gehen, ja?“
Allein im Büro gehe ich meine Notizen, Skizzen und Polaroids durch. Eine Woche Elmar. Eine Woche Deutschland. Eine harte Woche, klingt es noch in meinem Innenohr nach, aber eigentlich alles halb so wild. Mittlerweile ahnt das sogar Klausi Beimer.